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Herzlich willkommen bei Brot für die Welt in den Evangelisch-lutherischen Landeskirchen Hannovers und Schaumburg-Lippe
|| Landeskirche Hannovers > Fair Reisen

Wie kann man eigentlich...fair reisen?

Wandern in den Bergen oder die Sonne am Strand genießen, für viele Menschen ist die Sommerzeit auch Reisezeit. Reisende versprechen sich von ihrem Urlaub Erholung, Abstand vom Alltag, neue Entdeckungen. Doch Reisen in fremde Länder haben Auswirkungen auf andere: Auf die Menschen in den Ländern, in die wir reisen und denen wir begegnen. Auf die Umwelt, durch die Verkehrsmittel, die wir wählen. Uwe Becker, Beauftragter Brot für die Welt in der Landeskirche Hannovers, gibt Tipps, wie sich die Freude am Verreisen mit einem verantwortungsvollen Umgang für Mensch und Natur verbinden lässt. Wir wünschen Ihnen einen gute Reise und tolle Entdeckungen!

Herr Becker, was raten Sie Menschen, die bei der Planung ihres Urlaubs nicht nur die berühmtesten Sehenswürdigkeiten im Blick haben, sondern auch Wert darauf legen, dass sie ihre Reise klimaschonend gestalten?
Es ist zuerst schon einmal toll, wenn das Verkehrsmittel gezielt ausgewählt wird. Natürlich ist es immer problematisch, mit dem Flugzeug zu reisen, aufgrund der CO2-Ausstöße. Gerade Kurzstreckenflüge belasten durch den energiereichen Start und Landung die Umwelt stark. Schauen Sie gerade hier immer nach umweltfreundlichen Alternativen. Doch manchmal geht das eben nicht anders, wenn man in die Ferne reise möchten. Ich persönlich plane so, dass ich nicht dreimal im Jahr eine lange Fernreise mache.


Was kann ich denn tun, wenn sich das Flugzeug nicht vermeiden lässt?

Eine gute Möglichkeit, die Reise mit dem Flugzeug nachhaltiger zu gestalten, ist die Klimakollekte: Auf www.klimakollekte.de können Sie mit einem Klimarechner den Co2-Ausstoß berechnen, den ihr Flugzeug auf dem Weg zu Ihrem Urlaubsort verursacht hat. Der Klimarechner schlägt dann vor, mit welchem Betrag Sie freiwillig ein Klimakompensationsprojekt unterstützen können – das sind Projekte von Brot für die Welt, die Menschen in Ländern wie beispielsweise Indien mit Solarlampen versorgen, um klimaschonender Energie herzustellen und zu nutzen. Eine Reise beispielsweise von Hannover nach Istanbul und zurück von zwei Personen etwa können Sie laut Klimarechner mit gut 50 Euro kompensieren.


Und wenn ich einmal am Urlaubsort angekommen bin, was kann ich bei der Wahl meiner Unterkunft berücksichtigen?
Immer wieder hört man das Argument, mit der Unterkunft in einem schicken Hotel in einem armen Land würde man nicht nur sich, sondern auch der einheimischen Bevölkerung etwas Gutes tun, da so Arbeitsplätze geschaffen würden. Das ist mit Vorsicht zu genießen. Einerseits haben gerade bei großen Hotelketten die Angestellten oft fairere und geregelte Arbeitsbedingungen als in kleinen lokalen Hotels. Doch die Gewinne bekommen natürlich die Kettenbetreiber selbst. Wer sich für eine kleine, eher einfache Unterkunft entscheidet, kann davon ausgehen, dass der Hotelbetreiber selbst auch Eigentümer des Hotels ist. Hier allerdings werden die Angestellten oft nicht fair behandelt: Sie haben sehr lange Arbeitszeiten, wenig freie Tage und auch Kinderarbeit kommt immer wieder vor. Grundsätzlich gilt auch hier wie immer die goldene Mittel: Ein einheimisches Mittelklassehotel könnte eine gute Wahl sein.

Wer schon einmal Urlaub in einem Entwicklungsland gemacht hat, hat oft viele Hände erlebt, die sich ihm von Bettlerinnen und Bettlern entgegen gestreckt werden. Wie gehe ich damit am besten um?
Generell würde ich raten, immer nur Münzen zu geben. So können Sie verhindern, dass sich ein Pulk von Menschen um Sie bildet. Es ist generell ratsam, sich an den Einheimischen zu orientieren: Wann und wem geben sie etwas, etwa vor Kirchen oder Moscheen und wann nicht. Touristen sind oft sehr leicht zu erkennen, das wird durchaus auch mal von falschen Bettlerinnen und Bettlern ausgenutzt. Besonders bei bettelnden Kindern ist Vorsicht geboten – unterstützen Sie lieber Hilfsorganisationen, die vor Ort arme Familien unterstützen und nicht einzelne Kinder, die zum Betteln geschickt werden.


Ist es denn überhaupt ratsam, in Entwicklungsländer zu reisen?
Das kommt immer auf die eigene Haltung an: Ein aufgeklärter Reisender möchte doch die Kultur und die Menschen und ihre Lebensumstände kennenlernen. Dafür sind Offenheit und echtes Interesse für die Bevölkerung nötig, anstatt sich in einem Luxusressort zu verschanzen. Das Tourismuscamp in Kenia oder der Golfplatz in der Sahara sind da natürlich problematisch. Wasser ist ohnehin ein sehr wichtiger Aspekt fairen Reisens: Versuchen Sie vor Ihrer Reise heraus zu finden, ob die Bevölkerung womöglich weniger Wasser bekommt durch Rationierung, weil alles Wasser für touristische Unterkünfte mit Pool oder großen Rasenflächen verwendet wird. Duschen Sie in wasserarmen Gegenden nur kurz und bitten Sie, dass in Ihrem Hotel nicht täglich die Handtücher und Bettwäsche gewechselt werden. Von Reisen in Katastrophengebiete und Erholungsreisen in Diktaturen rate ich grundsätzlich ab.

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